Momente der Dankbarkeit! Kennen Sie die auch?

Nach 8 Wochen mein erster Kundenbesuch heute mal wieder. Ich bin ganz aufgeregt. Man könnte meinen ich war erneut im Lockdown. Nein ganz und gar nicht, aber ich habe das große Glück, dass sich all meine Bestandskunden auf Online Beratung und Coaching eingelassen haben.
Heute, das ist ein Neukunden. Wir haben zwar schon ein paar Mal telefoniert und auch gezoomt, aber um mit den Menschen in Beziehung zu kommen geht halt nichts über ein persönliches Kennenlernen. Einfach das Umfeld, die Gestik, die Mimik, die Gruppe, den Menschen als Ganzes wahrnehmen und nicht nur einen Kameraausschnitt.

Und so bin ich heute morgen um 06:00 Uhr gestartet und während ich so an dem wunderschönen Weilburg vorbeifahre und das bunt gefärbte Laub der Bäume auf mich wirken lasse, spüre ich wie dankbar ich mich fühlen darf:
  • Dankbar, gesund zu sein
  • Dankbar, die Corona Situation bisher so gut gemeistert zu haben
  • Dankbar, so viele wunderbare Menschen zu kennen.
  • Dankbar, dass ich meine Arbeit so liebe.
  • Dankbar, dass meine Kunden in so wunderbaren Fleckchens Deutschlands leben und arbeiten.
  • Dankbar, das zu tun was mir soviel Freude macht.
Ach was freue ich mich auf meinen Kunden. So jetzt aber, ich muss los…
Euch allen dort draußen wünsche ich ebenfalls viele Momente der Dankbarkeit.

Das bisschen Beschaffung?

120 bis 150 € sind pro Bestellung fällig – das ist kein Durchschnittspreis für die gekaufte Ware, sondern der Preis für den Personal- und Verwaltungsaufwand, den jede einzelne Bestellung verursacht und der auf den Materialwert noch obendrauf kommt. Krass, oder? Egal ob eine Packung Kugelschreiber bestellt wird oder der Materialvorrat für den ganzen Monat. „Was? Die im Büro sitzen doch den ganzen Tag nur rum, jammern über Stress und schieben Zettel von links nach rechts!“, denkt sich da vielleicht der eine oder der andere Handwerker. Tatsächlich hängt aber an jedem dieser Zettel eine Menge teils gesetzlich vorgeschriebener Arbeitsschritte – und damit auch ein eigenes Preisschild. An Lieferscheinen, Rechnungen, Retouren. Und auch an den vielen schwer leserliche Bestellnotizen von Kolleg*innen, die auf der Baustelle merken, dass jetzt gerade die Dichtmasse alle ist und die abends kurz vor Ladenschluss einzelne Kartuschen nachbestellen, am besten für morgen Früh um acht.

Sie merken: An der Schnittstelle von Lagerhaltung und Büro gibt es eine ganze Menge zu verbessern, denn der Preis für den einzelnen Bestellvorgang lässt sich ebenso krass drücken wie der Frustfaktor bei den Beteiligten, sofern alle mitspielen und die Abläufe effizient organisiert sind. Das setzt voraus, dass sich alle bewusst werden, welchen Rattenschwanz an Vorgängen ihr „Hatte ich gestern noch vergessen aufzuschreiben: Wir brauchen auch noch drei von den kleinen aus Alu.“ hinter sich herzieht.

Früher habe ich als eine von vielen Dienstleistungen auch Lageroptimierung angeboten, u. a. weil ich gesehen habe, welchen riesigen Effekt es hat, wenn die Prozesse zwischen Lager, Baustelle und Büro sauber ablaufen. Diese Effekte beginnen bei A wie Arbeitsabläufe, gehen über E wie Entlastung oder P wie Produktivitätssteigerung bis W wie Wohlbefinden bei den Kolleg*innen. Seit einiger Zeit arbeite ich bei dem lieber mit der Expertin für effiziente Lagerprozesse im Bauhandwerk zusammen, nämlich mit Doris Paulus und ihrem Team.

Doris hat auch einen Podcast, den ich sehr gerne höre. Erhellend fand ich insbesondere die Folge „Wie bitte? WAS für Aufgaben hat die Verwaltung??“, in der Doris und ihre Kollegen kurz und bündig skizzieren, woran es an der Kommunikation zwischen Verwaltung und den anderen Beteiligten oft hapert. Gleichzeitig zeigen die Expert*innen Lösungen auf, die allen das Leben leichter machen, für mehr Verständnis untereinander sorgen und zugleich helfen, immens viel Geld zu sparen.

Der Podcast ruft uns auch als Chef oder Chefin noch mal deutlich ins Bewusstsein, dass wir es selbst in der Hand haben, ob wir uns weiterhin mit der unscharfen Säge abmühen, weil wir meinen, es sei keine Zeit dafür da, das Sägeblatt auszutauschen. Was im Wald die Entscheidung für das neue Sägeblatt ist, ist in Bezug auf Lagerhaltung und Beschaffung die Entscheidung dafür, bei allen Beteiligten Klarheit über die Organisationsstrukturen, Rollen und Prozesse herzustellen. Der Effekt: Überflüssige Arbeitsschritte fallen weg, das Büro ersäuft nicht mehr in vermeidbaren Verwaltungsvorgängen, der Beitrag aller zum Gesamtbetrieb wird wahrgenommen und wertgeschätzt, und jede*r einzelne weiß genau, wie er oder sie es vermeidet, selbst unnötige Arbeit bei anderen zu verursachen.

Viel Spaß beim Reinhören – und hören Sie genau hin, denn es werden schon in der kurzen Podcastfolge viele Lösungen angeboten. Schreiben Sie an mich oder direkt an Doris, wenn Sie mehr über effiziente Organisationsstrukturen erfahren möchten.

Unternehmensberater, die Handwerksunternehmen beraten und optimieren, gibt es viele. Und dennoch gibt es die Erfahrung, dass die beratenen Handwerker bzw. dessen Führungskräfte sich unverstanden fühlen oder unzufrieden sind.

Unter anderem

  • weil ihnen nicht richtig zugehört wurde;
  • weil kollektive anstatt individueller Lösungsvorschläge erbracht wurden;
  • weil mehr versprochen, als im Endeffekt eingehalten wurde;
  • weil Berater zu unerfahren waren;
  • weil Meinungen auseinanderdrifteten;
  • weil Entscheidungen ohne Absprachen getroffen wurden;
  • weil mangelndes Mitspracherecht herrschte usw.

Die Liste könnte noch endlos fortgesetzt werden.

Warum und wieso sollte ein Dachdeckerunternehmer denn dann tatsächlich Beratung aufsuchen und wenn er/sie es tun, was liegen dann für Probleme oder Anliegen vor. Was sollte der Betriebsinhaber dann auch tatsächlich tun, wenn er sich für eine externe Beratung entscheidet, worauf sollte man achten. Was eine gute Beratung auszeichnet, welche Denkanstöße es rund um das Thema Führung vielleicht zu beherzigen gibt, um dies und vieles mehr geht es in unserer heutigen 12. Dachdecker Podcast Folge. Zum Podcast hier klicken!

„Du hast gesagt, ich soll lieber Fragen stellen als gleich loszupoltern. Hab ich gemacht. Hat aber überhaupt keinen Unterschied gemacht!“, beschwert sich der Kunde. „Was genau hast du denn gefragt?“, will ich wissen. Er: „Wie konnte das denn passieren?!“

In einem der letzten Blogartikel habe ich mich mit dem Fragen als Führungswerkzeug beschäftigt und damit, wie gutes Fragen neue Perspektiven erschließt. Aber nicht alles, was mit einem Fragezeichen endet, verbessert gleich die Kommunikation im Unternehmen. Ja, auch „Wer von euch Trotteln hat das draußen liegenlassen?“, „Wie oft muss ich euch das noch sagen?“ und „Muss ich denn wirklich alles selbst machen, damit es funktioniert?“ sind rein grammatikalisch gesehen Fragen. Aber zum fröhlichen Mitdenken und selbstverantwortlichen Handeln regen sie wohl eher nicht an. Sobald meine Fragen suggestiv oder rhetorisch werden oder ich in einen Verhörtakt hineinrutsche, fällt die Tür zwischen mir und meinem Gegenüber zu.

Aber wie geht es denn nun konkret, das gute Fragen?

Gutes Fragen besteht aus meiner Sicht zu 30 % aus Fragetechnik und zu 70 % aus Haltung. Ich fange mit dem Einfachen an, der Technik. Es gibt geschlossene Fragen, also die, die ich nur mit ja oder nein beantworten kann, und offene Fragen, die so genannten W-Fragen. W-Fragen beginnen mit einem Fragewort (Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – Sie erinnern sich). Stelle ich zu viele geschlossene Fragen, fühlt sich der andere schnell bedrängt und ausgehorcht. „Hast du dein Zimmer schon aufgeräumt? Schularbeiten gemacht? Wenigstens den Müll rausgebracht?“ Spüren Sie mal nach, welches Gefühl diese Fragen bei Ihnen auslösen. W-Fragen hingegen öffnen den Raum für die unzähligen Möglichkeiten neben ja und nein. „Was ist der Grund dafür, dass du noch nicht aufgeräumt hast?“, „Wer hat eine Idee, wie wir in dieser Sache vorgehen können?“, „Wann können wir damit realistisch fertig werden?“

Mit W-Fragen verhinderst Du, dass sich jemand hinter einsilbigen Jas und Neins verstecken kann. Du lässt Deinem Gegenüber zugleich Platz für eigene Gedanken und lädst ihn/sie ein, aktiv mitzudenken.

Einzig mit der Warum-Frage bin ich vorsichtig, da sie schnell als Angriff verstanden wird (wir haben einfach zu oft rhetorisch warum gefragt). Ich ersetze deshalb meistens das Warum z. B. durch ein Weshalb oder Wozu kann das dienlich sein oder Aus welchem Grund, und es gibt noch viele weitere Warum-Alternativen (siehe Abb. 2).

 

Nun wirst Du mir mit Recht vorwerfen, dass viele der Fragen von ganz oben W-Fragen sind – ein offenes Gespräch leiten sie trotzdem nicht ein. Wichtiger als die Technik ist nämlich die Haltung, mit der ich die Fragen stelle. Wenn ich die anderen als Trottel betrachte, die nichts richtigmachen können, erwarte ich von ihnen auch keine erhellenden Antworten.

Ich selbst bin von Haus aus neugierig und lasse mich gern überraschen. Neue Perspektiven kennenzulernen finde ich spannend und bereichernd. Vielleicht fällt mir das offene Fragen deshalb leicht. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass man/frau eine wertschätzende, interessierte Haltung lernen kann. Ein erster Schritt dazu ist Selbstbeobachtung. Es hilft, vor dem Fragen kurz innehalten und zu überprüfen, ob ich wirklich an dem interessiert bin, was mein Gegenüber mir zu sagen hat.

Hätte mein Kunde von oben kurz durchgeatmet und aus ehrlichem Interesse an der Perspektive seiner Mitarbeiter*innen gefragt, hätte er seine Frage möglicherweise eher so formuliert: „Was ist aus eurer Sicht der Grund dafür, dass das schiefgegangen ist? Und was könnten wir ändern, damit uns so etwas nicht wieder passiert?“ Ich bin sicher, seine Chancen auf konstruktive Antworten wären exponentiell gestiegen!

Eure Barbara Beyer

PS: Natürlich lerne auch ich in Bezug auf das Fragen an sich immer noch dazu. Für mich ist die größte Herausforderung, kurze Fragen zu stellen und wirklich nur eine einzige Frage in einen Satz zu packen – auch wenn mich gerade mehrere Aspekte gleichzeitig interessieren. Viele Fragen auf einmal verwirren aber mein Gegenüber. Deshalb übe ich, nach einer Frage eine Pause zu machen, kurz die Reaktion des/der anderen zu beobachten und ggf. die Frage umzuformulieren, wenn ich Fragezeichen in seinem Gesicht wahrnehme. (Sollten Sie mich bei Mehrfachfragen erwischen, fragen Sie mich ruhig, ob mir das gerade bewusst ist!)

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

„Ich dachte, Sie sagen mir jetzt, wie es geht, und fragen nicht mich!“ Das ist ein Satz, den ich schon mehrfach von meinen Auftraggebern gehört habe, wenn ich Fragen stelle.

Ein Grund ist möglicherweise, dass mein Kundenkreis vornehmlich aus Unternehmern und Unternehmerinnen aus dem Handwerk besteht, also Macherinnen und Problemlösern. Zeitdruck ist in vielen Betrieben der Normalfall, und Geduld gehört auch nicht unbedingt zu den Fähigkeiten, die im Meisterkurs erlernt werden. Meine Kunden sind es gewohnt, schnell und kompetent Ansagen zu machen. Eine fragende Haltung deuten sie deshalb oftmals als Zeichen von Unwissenheit oder gar Schwäche.

Aber wenn wir einmal genauer hinsehen, erweist sich das Fragen als mächtiges Werkzeug, um Veränderungsprozesse anzustoßen. Wenn ich gute Ansagen mache, beeindrucke ich Leute mit meiner Kompetenz; wenn ich gute Fragen stelle, bringe ich Menschen dazu, ihre eigene Kompetenz zu nutzen. Und mal ehrlich: Glauben Sie wirklich, dass jemand von außen Ihnen die Lösung für die Herausforderungen in Ihrem Betrieb auf dem Tablett servieren kann? (Diese Frage ist rhetorisch.)

Ich verstehe meine Rolle als Beraterin und Coach so, dass ich die Handlungsfähigkeit im Betrieb vergrößere und die Kunden und ihre Mitarbeiter selbstständiger mache. Hilfe zur Selbsthilfe, kein Schaffen von Abhängigkeiten. Mit Fragen bringe ich mein Gegenüber dazu, selbst aktiv zu werden, neue Lösungen zu finden und scheinbar Selbstverständliches auf den Prüfstand zu stellen. Indem sie Antworten suchen, verschiedene Möglichkeiten laut durchdenken und mir auf meine Fragen hin die eigenen Verhaltensweisen erklären, verändern die Kunden ihre Perspektive und bereiten damit zugleich den Boden für Veränderungen im Unternehmen. Das Wichtigste auf meiner Seite ist dabei ehrliche Neugier auf die Antworten, die meine Kunden finden. Ich habe im Verlauf des Gesprächs mindestens genau so viele Aha-Erlebnisse wie die Kunden – und damit Anlässe weiter zu fragen.

Für mich sind es die besten Momente, wenn mir ein Kunde am Ende eines Gesprächs sagt: „Ich habe mir gerade selbst die Antwort auf mein Problem gegeben. Warum bin ich da nicht früher draufgekommen?“ Tja, weil es manchmal eben die richtigen Fragen braucht!

Eure Barbara Beyer

PS: In einem der nächsten Blogartikel werden wir uns genauer ansehen, welche Fragetechniken es gibt, wie Fragen zum Machtmittel werden und welche Art zu Fragen auch intern im Unternehmen hilfreich ist.

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

Vor einiger Zeit habe ich meine Gedanken zur Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Zeitmanagement mit Euch geteilt. Zeitmanagement ist eigentlich Selbstmanagement, so mein Fazit. Ein guter Umgang mit dem Nein-Sagen ist eine Form des Selbstmanagements, die auch ich persönlich immer noch übe. Denn genau im Moment des Nein-Sagens muss ich mir darüber klar sein (und ein gutes Körperempfinden haben!), ob mich das „Nein“ meinem Ziel näherbringt. Oder reagiere ich womöglich aus einer inneren Unruhe heraus über und mache gerade Dinge, die zwar nicht mein Problem lösen, mir aber ein Gefühl von Auslastung geben?

Ein schöner Satz dazu, den ich Euch nicht vorenthalten möchte, begegnete mir in Arbeite klüger – nicht härter! von Ivan Blatter: „Um produktiv zu sein, braucht es die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und die Fähigkeit sich zu fokussieren!“

Das bedeutet aber gerade nicht, möglichst viel in den Tag hineinzupacken, auch wenn ich mich dadurch so schön unverzichtbar fühle. Es bedeutet nicht, als Führungskraft tagtäglich im Tagesgeschäft zu versinken und mich mit den operativen Dingen zu beschäftigen – auch wenn ich dies vermeintlich sowieso am besten kann. Ivan Blatter sagt: Zeitmanagement beginnt im Kopf. Das heißt, dass ich mir einmal all die Dinge ansehe, die wir alle heute schon tun, um morgen (später) Ernte einzufahren:

  • Heute auf den Nachtisch verzichten, um morgen abzunehmen
  • Heute Rücklagen bilden, um morgen im Alter abgesichert zu sein
  • Heute zum Arzt zur Vorsorge, um morgen auch noch gesund zu sein

Und genau so ist es mit der Führung. Ich muss erst einmal investieren, um morgen zu ernten. Wenn ich also beim nächsten Mal höre „Keine Zeit!“, will ich zukünftig die Fragen stellen:

  • Investierst du mit dem, was du jetzt (heute) tust und als wichtig empfindest auch wirklich in morgen?
  • Kommst du mit den Prioritäten, die du jetzt gerade setzt, deinen Zielen auch wirklich näher?

Viel Freude beim Reflektieren!

Eure Barbara Beyer

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

„Keine Zeit!“ Das höre ich immer wieder; in der Familie, bei der beruflichen Zusammenarbeit, von Freunden. Aber was bedeutet das, „keine Zeit“ zu haben? Haben wir nicht alle die gleichen 24 Stunden am Tag zur Verfügung? Wenn wir Zeit sparen, heißt das nicht, dass wir am anderen Tag plötzlich 25 oder 26 Stunden haben. Ausgerechnet der Zeitmanagement-Papst Lothar Seiwert erklärt in seinem Buch „Ausgetickt“ das Zeitmanagement als gescheitert. Ich sehe das genauso, denn Zeit lässt sich nicht managen. Zeit ist, was sie ist. Für uns alle gleich.

Was bedeutet es also, wenn wir davon sprechen, keine Zeit zu haben? Doch eigentlich nichts anderes als: „Du hast mit deinem Anliegen gerade nicht die oberste Priorität bei mir. Ich habe mich entschlossen, die mir zur Verfügung stehende Zeit mit etwas anderem zu verbringen.“ Klingt ganz schön hart im Vergleich zu „Keine Zeit“, oder?

Ich verstehe und akzeptiere das. Zumal ich selbst oft genug sage, dass es gerade nicht passt. Ich versuche mir aber anzugewöhnen, bei mir selbst in solchen Situationen genauer hinzuschauen und mir klarzumachen, aus welchem Grund ich gerade nicht vorhandene Zeit zwischen mich und mein Gegenüber schiebe. Ist es tatsächlich so, dass ich jetzt in diesem Moment ein Ziel verfolge, einen mir wichtigen Plan umsetze oder ein Problem bearbeite, das drängend und wichtig ist? Oder gebe ich mir (und anderen) aus einer inneren Unruhe oder fehlendem Überblick heraus gerade ein Gefühl von Auslastung und Geschäftigkeit, um mir nicht eingestehen zu müssen, dass ich gar nicht genau weiß, was gerade relevant ist? Vielleicht fällt es mir auch schwer, auf andere Weise Grenzen zu setzen und nein zu sagen? (Z. B. weil ich schlicht keine Lust zu einer gemeinsamen Aktivität habe, mein Gegenüber aber nicht verletzen will; oder weil ich verkatert bin, eigentlich nur Ruhe brauche, das aber nicht zugeben möchte – Sie finden sicher noch mehr Beispiele.)

Das klingt plötzlich gar nicht mehr nach Zeitmanagement, sondern nach Selbstmanagement. Und schon sind wir mitten in Führungsthemen. Meine Zeit zu managen heißt für mich, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Was fange ich mit meiner Zeit an, also mit meinem Leben? Wie setze ich die Energie ein, die mir zur Verfügung steht, sinnvoll ein? Dazu muss ich aber erst einmal herausfinden, was mir wichtig ist, was für mein Unternehmen die richtige Richtung sein kann und was mich meinen Zielen näherbringt.

Als kleines Tool, um festzustellen, welche Lebensbereiche ich dabei im Blick behalten sollte, sind die „5 Säulen der Identität“ des Psychologen Hilarion Petzold sehr hilfreich. Petzold erforscht die Bedeutung von Ausgewogenheit und Balance in unserem Leben. Er identifiziert fünf Bereiche, die gleichermaßen wichtig sind. Das Dach unseres Lebens ist besonders sicher getragen, wenn die fünf Säulen unserer Identität es in Balance halten. Balance heißt hierbei nicht, eine absolut gleichmäßige Verteilung herzustellen, sondern dafür zu sorgen, dass Säulen nicht komplett wegbrechen und das Dach möglicherweise einzustürzen droht. Welche Säulen gestärkt werden sollten, ist natürlich individuell verschieden. 

 

Visualisierung: @Tatjana Güntensperger

 

Wie geht das nun ganz konkret? Ich brauche zu allererst etwas Muße (Zeit!). Dann schaue ich mir die Säulen an. Welche Säule steht besonders fest, so dass ich mich für den Moment darauf verlassen kann, dass sie nicht nachgibt (z. B. Materielles, weil der Laden brummt)? Welche Säule kommt hingegen bei mir regelmäßig zu kurz (etwa die Gesundheit, weil ich mich im stressigen Arbeitsalltag ungesund ernähre oder zu wenig schlafe)? Wenn ich den Ist-Zustand ermittelt habe, forsche ich nach, ob und wie ich Prioritäten verschieben will. Ein Teilnehmer in einem Seminar dachte zum Beispiel, keine Zeit für zwei Stunden Sport in der Woche zu haben, was er sehr bedauerte (Gesundheit). Als er sich sein Säulensystem genauer ansah und überlegte, durch was die benötigte Zeit besetzt war, kam er sich selbst auf die Spur, dass er täglich zwei Stunden auf Social-Media-Kanälen verbrachte. Dass er sich das bewusst gemacht hatte, half ihm, seine Prioritäten zu überdenken, also professionelles Selbstmanagement zu betreiben.

Zurück zum Ausgangspunkt: Wenn ich Grenzen setze, schaue ich kurz in mich. Ist diese Entscheidung im Einklang mit meinen Zielen und Prioritäten? Ist das, was daraus folgt, wirklich das, was ich möchte und was mir (bzw. dem Unternehmen) auch langfristig guttut? Nimm Dir die Zeit, um herauszufinden, was Dir wichtig und was Dich stark macht. Dann manage Dich sich selbst, nicht die Zeit. Es lohnt sich. Vielleicht hast Du am Ende mehr Zeit als gedacht!

Viel Glück und Freude mit und bei dem was Du tust!

 

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

Liebe Freunde und Freundinnen der BeNeCo,

ich bin immer noch von Euren Rückmeldungen zu meinem neuen Firmenauftritt und meiner Webseite überwältigt und gerührt. Euer Feedback stärkt mich und gibt mir das Gefühl, genau das Richtige zu tun. Nachstehend einen kleinen Auszug einiger Stimmen.

Ach, wie wohl das tut!

Ein guter Moment, um über die Wirkung von wertschätzendem, konstruktivem Feedback nachzudenken. Wieso tut das so gut und, um den Bogen zur Führung zu schlagen, was bewirken wertschätzende Rückmeldungen im Unternehmen?

Der Psychologe John Gottmann hat herausgefunden, dass wir dann gute, vertrauensvolle und tragfähige Beziehungen aufbauen, wenn das Verhältnis von positiver Interaktion zu negativer Interaktion bei 5:1 liegt. Wir führen also eine Art inneres Wertschätzungskonto, auf das andere einzahlen, dessen Betrag sie aber auch schmälern können. Wenn unser Konto zu stark belastet wird, brechen wir die Beziehung ab. Gottmann hat das für Paare untersucht, aber die Ergebnisse lassen sich aus meiner Sicht auch auf andere Beziehungen übertragen.

Wenn wir davon ausgehen, dass es nützlich ist, zu Mitarbeiter*innen eine gute Beziehung aufzubauen, dann erfordert das also eine gewisse Investition. Und diese Investition ist nicht nur mal ab und an ein einfaches Lob, weil wir gelernt haben, dass „man das heutzutage eben so macht“, sondern echte Wertschätzung. Wir wollen von unserem Gegenüber gesehen werden. Wir brauchen Anerkennung und Würdigung. Es tut uns gut, wenn sich jemand Zeit für uns nimmt. Es ist eine klare Einzahlung auf der Habenseite, wenn mein Chef meine Stärken erkennt.

Als Führungskraft tue ich folglich gut daran, auf die Haben-Seite zu schauen, wahrzunehmen, was meine Mitarbeiter*innen alles Wertvolles dazu beitragen, dass der Laden läuft, und das dann auch zu sagen. Interesse zu zeigen, ob sie Ideen und Verbesserungsvorschläge für ihr Arbeitsumfeld haben.

Auf dieser Basis mache ich es meinen Leuten leichter, auch kritisches (konstruktives!) Feedback anzunehmen. Und natürlich helfen ehrliche, wertschätzende Worte mir als Führungskraft genauso, mich zu entwickeln.

Was das bringt außer guter Stimmung? Man spricht davon, dass eine gute wertschätzende Kommunikation im Unternehmen einen Mehrwert zwischen 20 % und 30 % erzeugt. Als Betriebswirtin möchte ich sagen: Eine Umsatzsteigerung von 30 % bei gleichbleibenden Kosten ist ganz ordentlich, oder?

Ihr habt mein Wertschätzungskonto jedenfalls sehr reichlich aufgefüllt. Ich danke Euch dafür! Eine gute Basis, um mir, wenn Ihr mögt, auch konstruktive Kritik mitzuteilen.

Auf eine nachhaltige Zukunft und eine wirkungsvolle Zusammenarbeit!

Eure Barbara

 

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

„Hallo Babs, ich brauche dringend Deinen Rat. Wenn Du zwischendurch Zeit findest, kannst Du Dich bitte bei mir melden?“ Der Hilferuf kam von meinem Kunden Paul*, bei dem ich drei Jahre zuvor eine Prozessberatung durchgeführt hatte. Er hatte die Unternehmensgröße damals mal eben verdoppelt und die Betriebsfläche vervierfacht. Toller junger, dynamischer Unternehmer mit Mut und Ideen.

 

Ich war zum Zeitpunkt der Anfrage gerade sehr eingespannt und kam erst spät aus einem Termin, aber der Ton der E-Mail ließ mich noch am selben Abend zum Hörer greifen. Es stellte sich heraus, dass Pauls Steuerberater ganz schön Mist gebaut hatte; nun setzte die Bank Paul massiv unter Druck. Wir besprachen, dass er das nächste Bankgespräch erst einmal abwarten solle, das fünf Tage später stattfinden würde. Dann würden wir prüfen, welche Maßnahmen sinnvoll wären.

 

Doch schon in dem Moment, in dem ich den Hörer auflegte, kamen mir Zweifel. Ich rief meinen Beraterkollegen Andreas Dittrich an, der sich auf Finanzierungsfragen spezialisiert hat, und beschrieb die Situation. „Auf keinen Fall passiv das Gespräch abwarten,“ antwortete Andreas sofort. „Der Kunde muss die Sache selbst aktiv in die Hand nehmen.“ Ich vernetzte die beiden noch am selben Abend, schon für den nächsten Tag vereinbarten sie einen Telefontermin.

 

Fünf Tage später bekam ich eine neue Nachricht: „Lief alles glatt. Die Banker waren überrascht, was in 5 Tagen alles machbar ist und wie gut ich vorbereitet war. Andreas kommt am Mittwoch und wir erarbeiten gemeinsam Strategien und neue Ansätze für die Bank und den neuen Steuerberater. Babs, danke Dir für Dein tolles Netzwerk und Deine super schnelle Unterstützung.“

 

Fazit: Manchmal ist die beste Hilfe, nicht selbst zu helfen.

 

Mehr zu Andreas Dittrich:

Consultant Director und Lehrbeauftragter an der Hochschule Mainz

Mein Blog:  http://finanzerdittrich.com

 

 

 

*Name geändert

 

Hinweis:“Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“