Vielleicht haben Sie es inzwischen mitbekommen: Ich bin eine überzeugte Netzwerkerin. Das schließt die Zusammenarbeit mit Verbänden und Innungen ausdrücklich ein. Klar, die Mitgliedschaft in einer Interessenvertretung kostet Geld; aber Sie zeigen sich mit einer Mitgliedschaft nicht nur solidarisch, Sie haben auch selbst verlässliche Ansprechpartner*innen, wenn es mal darauf ankommt. Wie einer meiner Kunden, der sich kürzlich an mich wandte.

Der Kunde, ein Dachhandwerker, benötigte recht spezielle betriebswirtschaftliche Unterstützung. Unter anderem ging es um eine Überprüfung der Stundenverrechnungssätze, Fragen zu den Anforderungen an die Kalkulation und um Prozessoptimierung bei den Baustellenabläufen. Nun bin ich zwar von Hause aus Betriebswirtin, warum soll es den Kunden unnötig Geld kosten, meine Dienste in Anspruch zu nehmen, wenn er von Verbandsseite her eine Erstberatung bekommen kann?

Kurzerhand nahmen wir mit dem regional zuständigen Verband Kontakt auf, in diesem Fall dem Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen.

Ein Verband mit mehreren Hundert Mitgliedern kann zwar nicht jedes einzelne Mitglied durch einen längeren Veränderungsprozess begleiten, aber oft hilft schon punktuelle Unterstützung, um die richtigen Ansatzpunkte zu finden. So auch in unserem Fall: Wir erklärten Landesverbands-Geschäftsführer Herrn Norbert Hain und seinem Mitarbeiter Herrn Jens Möller die Gesamtsituation. Die beiden Profis sahen sich die Sache an und entwickelten mit meinem Kunden Lösungsvorschläge; fachkundig, wertschätzend und effizient. Auf dieser Grundlage kann ich nun zusammen mit meinem Kunden in die Umsetzung gehen und ihn bei seinen weiteren Anliegen gut weiterbegleiten.

Eine Win-Win-Situation. Verbände bieten übrigens nicht nur fachmännische Unterstützung und Beratung, sondern auch eine Vielzahl wertvoller Weiterbildungen und guter Netzwerkveranstaltungen.

Für mich ein klares Ja für den Verband!

Und? Schon Mitglied?

Eure/Ihre Barbara Beyer

PS: Lust auf eine Verbandsveranstaltung? Im Landesverband Westfalen laufen zusammen mit der GfW Dach GmbH, Eslohe, die Vorbereitungen für unser nächstes Unternehmerforum 2030

 

Foto von Jochen Frank http://lichtblick-gmbh.com

Wow, wie toll ist das denn? Gerade habe ich den Geschäftsbericht des ZVDH 2019 gelesen. Dabei ist mir wieder bewusst geworden, wie großartig das Handwerk ist. Für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Bericht zu lesen, picke ich ein paar interessante Aspekte heraus.  

Die Dachhandwerksbetriebe werden betriebswirtschaftlich immer stabiler. Mussten zu Beginn der 2000er Jahre noch zwei, phasenweise sogar drei Prozent der Betriebe im Jahr Insolvenz anmelden, verzeichnen wir für 2019 mit 1,1 % einen neuen Tiefstand. Das kann nur bedeuten, dass die Betriebe konstant gute Arbeit leisten und immer besser wirtschaften. Corona zum Trotz sind auch für 2020 die Prognosen gut. Mal ehrlich: Welche Branche kann das derzeit schon von sich behaupten? 

Eine weitere Zahl, die uns alle hoffnungsfroh stimmen kann, ist die  Zahl der Auszubildenden. Insgesamt konnten wir 2019 einen Zuwachs von 2.1% verzeichnen. 2019 lernen damit erstmals nach 5 Jahren wieder mehr junge Leute im Dachhandwerk als im jeweiligen Vorjahr. 2020 verstärkt sich der positive Trend sogar noch. Alle Ausbildungsjahrgänge zusammengenommen haben wir ein Plus von 6,8% auf insgesamt 7.228 Auszubildende. Besonders schön: 2020 haben signifikant mehr junge Frauen in eine Dachdeckerausbildung begonnen, nämlich insgesamt 147. Klingt nicht viel? Sind aber 31 mehr als im Vorjahr, also ein Zuwachs von 21%! Etliche Betriebe investieren viel in ihren Nachwuchs und begleiten die jungen Leute mit Sachverstand, Geduld und Herzblut durch ihre ersten Berufsjahre. Die Ausbildungsbetriebe leisten damit einen unermesslichen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft. Und sie können stolz auf die Leistungen ihrer Azubis sein, die ihrerseits die Zukunft der Branche sichern – und damit uns allen ein dichtes Dach über dem Kopf. Es steht zu hoffen, dass sich noch mehr junge Menschen für den Beruf begeistern und in einer Ausbildung oder einem dualen Studium im Handwerk eine erfüllende, krisenfeste Alternative zur universitären Bildung erkennen. Vielleicht sollten wir alle noch mehr darüber reden, wie viel Spaß das Handwerk macht? 

Wo wir gerade bei jungen Leuten, gesellschaftlicher Relevanz und guten Botschaften sind: Die Rolle des Dachhandwerks beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz kommt bei der Fridays-for-future-Generation gut an. Darauf lässt zumindest die Beliebtheit entsprechender Social-Media-Artikel von jungen Dachdeckerinnen und Dachdeckern schließen, die der Zentralverband als Jugendbotschafter gewonnen hat. Tatsächlich tragen Dachhandwerkerinnen und -handwerker enorm viel dazu bei, Gebäude energetisch fitzumachen und den Ressourcenverbrauch zu senken. Das machen sie meist ohne viel Aufhebens und Presserummel. Einfach so.  

Für das alles könnten wir uns eigentlich mal auf die Schulter klopfen, oder? 

Wer Lust hat, den ganzen Bericht zu lesen, findet ihn hier!

Liebe Freunde und Freundinnen der BeNeCo,

wie oft habe ich meinen Kunden schon erzählt, wie wichtig es ist die Abläufe und Prozesse zu überprüfen? In wie vielen Unternehmen habe ich schon Prozesse optimiert? Und welches Unternehmen habe ich dabei vernachlässigt? Mein eigenes! Ich habe mich deshalb Ende letzten Jahres entschieden, dass es auch für mich als Ein-Frau-Betrieb an der Zeit ist, gründlich in meinen Geschäftsprozessen aufzuräumen.

Um Orientierung und Fokussierung zu bekommen, habe ich unter anderem auf meiner Zieleplanung 2020 stehen:

  • Angebots-, Auftrags- und Rechnungsprozess in einen automatisierten Workflow bringen
  • Bürokratischen Zeitaufwand für Buchhaltung und finanzielle Überwachung um mindestens 50 % reduzieren
  • Zeit für Arbeitsvorbereitung und Nachbereitung für Seminare, Workshops, Trainings um mindestens 20 % reduzieren

Ich habe nämlich einfach mal gemessen, wie viel Zeit in administrativen Aufgaben versickert. Das mache ich schon seit Jahren, aber ich habe bisher nicht die nötigen Konsequenzen daraus gezogen. Meine Zeiterfassung, die sich über all meine Aktivitäten erstreckt, belegt schwarz auf weiß, dass sich in den letzten Jahren der Aufwand für Verwaltungstätigkeiten permanent erhöht hat. Da mein Tag leider nicht länger wird, muss das entweder zu Lasten der Kunden gehen oder zu meinen eigenen. Beides unschön. Ich will schließlich möglichst viel Nettozeit mit produktiven Beratungen und Workshops verbringen, nicht mit Bürokratie. Ich will mich deshalb aber auch nicht selbst ausbeuten und jeden Samstag und Sonntag im Büro verbringen.

Die Entscheidung, etwas zu verbessern, ist schnell gefällt. Aber Ihr kennt das aus Euren eigenen Unternehmen: Umgesetzt sind die Verbesserungen deshalb noch lange nicht. Ich habe in den letzten drei Monaten neben und in meinem normalen Tagesgeschäft meine Abläufe analysiert, überflüssige Prozesse eliminiert, Software recherchiert, entrümpelt, mich an Standards und Vorlagen abgearbeitet, Software mit Daten gefüttert, endlose Testläufe gefahren, nach einigen Eingabefehlern einen kompletten Reset durchgeführt, meine Steuerberaterin zur Verzweiflung gebracht und…. Trommelwirbel… erfolgreich die ersten Rechnungen und Angebote automatisiert ausgeworfen!

Dieses Erfolgserlebnis will ich hier mit Euch feiern! Ich bin noch ganz im Glücksflow. Alles klappt, wie es soll! Bis Ende März lasse ich das analoge und das digitale System noch nebeneinanderlaufen – und ab dann habe ich Zeit, mich um die nächsten beiden Etappenziele zu kümmern! Dann geht es an Standardisieren von Protokollen und Präsentationen.

Und welche Eurer Prozesse knöpft Ihr Euch 2020 vor?

Wie lauten Eure Zielvorgaben 2020?

Eure Barbara Beyer 

 

 

Hinweis
„Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen oder neutralen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.“

„KANNST DU DIR MAL MEINEN BETRIEB ANSEHEN?“

Eine Bitte, die ich kaum abschlagen konnte, denn sie kam 2012 von meinem Bruder, Andrej Bauer. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Satz mein gesamtes Berufsleben verändern würde. Ich war als angestellte Vorstandsberaterin in der Industrie erfolgreich, ein typisches Konzerngewächs. Projekt- und Changemanagement, Führungs-, Organisations- und Vertriebsthemen – damit kannte ich mich natürlich aus. Aber mit Handwerk?! Dennoch sah ich mir wunschgemäß den Dachdeckerbetrieb meines Bruders an.

Andrej ging für sein wachsendes Unternehmen zunehmend an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Ich analysierte die Abläufe in Büro, auf der Baustelle und im Lager, sprach mit den Mitarbeitern, beobachtete meinen Bruder im Umgang mit seinem Team, stellte Fragen, und begann schließlich, konkrete Verbesserungsmaßnahmen mit dem Team auszuarbeiten. Das erste Projekt, die Optimierung der Lagerlogistik, war für alle Beteiligten ein Test. Für mich war die Arbeit im mittelständischen Handwerksbetrieb Neuland, Andrej hatte noch nie jemanden um Rat bei der Unternehmensführung gebeten, und für uns beide war es die erste berufliche Kooperation.

Das Experiment gelang, Bauer Bedachungen strukturierte erfolgreich seine Lagerorganisation um – und ich hatte mein Herz ans Dachhandwerk verloren. Ich erlebte, wie spannend, vielseitig und anspruchsvoll das Dachdeckerhandwerk ist und wie viel Spaß es mir macht, mit kleineren und mittelständischen Unternehmen zu arbeiten. So sehr, dass ich mich nicht nur als Betriebsberaterin selbstständig machte, sondern auch als Gesellschafterin in den Betrieb meines Bruders einstieg.

Es folgten zahlreiche gute Veränderungsprozesse bei Bauer Bedachungen. Dennoch entschieden wir letztlich, dass eine deutlichere Trennung von Privatem und Beruf uns als Familie zuträglicher ist, und ich stieg nach mehreren Jahren als Beraterin aus. Es ist sicherlich kaum ein Lernfeld wichtiger für meine Arbeit als die im Betrieb meines Bruders. Mein Verständnis für die speziellen Anforderungen in Bauunternehmen und mein Gespür dafür, wie wichtig klar definierte Rollen besonders in Familienbetrieben sind, entstammen keinem Lehrbuch, sondern meiner eigenen Erfahrung.

Inzwischen blicke ich auf viele spannende, lehrreiche und erfüllende Projekte mit verschiedensten Handwerksunternehmen zurück. Ich durfte Generationenwechsel in Traditionsbetrieben begleiten, ich konnte Teams dabei unterstützen, Herausforderungen zu meistern, und ich habe Führungskräfte im Dachhandwerk über sich hinauswachsen sehen.

Was für ein Glück, wenn der Beruf zur Berufung wird! Die Arbeit im Konzern habe ich keinen Tag vermisst.

Sie wollen mich persönlich kennenlernen? Dann kontaktieren Sie mich unverbindlich unter info@3bnc.de