Tag 4 im Ahrtal
Dienstag, 23.11.2021
Arbeit finden in den Nachbardörfern

Unser 4. Tag im Ahrtal begann zunächst mit einem Fußmarsch in das 4 Kilometer entfernte Dernau. Denn Coco und ich hatten erfahren, dass dort in einem provisorischen Lebensmittelgeschäft Suchanzeigen für Helfer aushängen.

Der Weg führte uns auf die Hauptstraße, die entlang der Ahr verläuft. Dabei konnten wir eine ungeheuere Betriebsamkeit feststellen. Fast an jeder Stelle waren Bagger, Raupen, LKWs, Kipper, Radlader, riesige Schredderanlagen, Sortierer und vieles mehr im Einsatz. Überall wurde Erde verteilt, Steine gekippt, Geröll sortiert und Vermessungspunkte neu gesetzt. Schließlich ist auch 4 Monate nach der Flut die Infrastruktur immer noch stark beschädigt.

Einerseits ist diese Emsigkeit zu spüren, andererseits hat es uns aber auch sehr ergriffen, dieses das Ausmaß von allem noch mal mit den eigenen Augen wahrzunehmen, soweit das überhaupt möglich ist. Dabei wurde uns bewusst, wie viel bereits geleistet wurde und dennoch auch, wie viel die kommenden Jahre noch geleistet werden muss.

Von einer sehr netten Wirtin, die am Straßenrand ihre Gastwirtschaft/Küche in einen Imbisswagen verlegt hatte, erfuhren wir, dass entlang des Ahrtals 1600 Betriebe ihre Existenz verloren haben. Einfach unvorstellbar! Was das auch für die Menschen hier im Ahrtal bedeutet, will ich mir gerade gar nicht ausmalen.

Ein Müllwerker, der am Verkaufswagen seine Brotzeit holte, erzählte uns, dass es für ihn Ehrensache sei, täglich 8 Stunden Müll abzuholen. Bereits seit 4 Monaten abends und auch am Wochenende ist er damit beschäftigt, mit seinen landwirtschaftlichen Geräten weiter Müll aus dem Ahrtal zu räumen. Echte Helden! Die Schutt– und Sperrmüllberge überstiegen bis dato meine Vorstellungskraft.

Dieses Ausmaß an Zerstörung, das dieser so romantisch anmutende Fluss über dieses so wunderschöne Tal gebracht hat, bleibt für viele Menschen sicherlich in traumatischer Erinnerung. Besonders erwähnen möchte ich hier noch den Airbrush-Künstler Markus Kröpsch. Dieser trägt mit der Verewigung seiner Impressionen dazu bei, die Flut und ihre Auswirkungen zu dokumentieren. Sein Kunstwerk, das sich über eine ganze Wand streckt, ziert nun das wiedereröffnete „Wido‘s Café“.

In Dernau sind wir daraufhin im Bahnhofsgebäude bei einer etwas dubiosen Helferstelle angekommen. Dort verbrachten wir dann einige Stunden damit, Ordnung und (etwas) Sauberkeit in deren Räumlichkeiten zu bringen. Anschließend ging es zu Fuß zurück nach Laach. Vor Ort meldeten wir uns in der Lochmühle für den nächsten Tag zum Arbeitsantritt an. Zum Schluss haben wir noch schnell einen Kaffee bei Jackie im Helferzelt getrunken und ihr eine Küchenunterstützung für Weihnachten vermittelt. An dieser Stelle, wo nun das Helferzelt steht, befand sich vor der Flut das „Jägerstübchen„. Auch das Jägerstübchen und dessen Familie kann jede Unterstützung gebrauchen.

Schließlich lernt man hier jeden Tag neue Menschen kennen und erfährt, wer, wann, wie, wo gerne hilft oder helfen möchte. Mit vielen bewegenden Bildern, Eindrücken und Geschichten geht es jetzt wieder zurück in unseren Wohnwagen.

Herzliche Grüße